“I think the Atmosphere needs to start talking about renewables given all the AI-related emissions going into the… Atmosphere.”
Ferros Post funktioniert nur, wenn man beide Bedeutungen von „Atmosphere" kennt — deshalb kurz vorweg:
Ferros Pointe: die Community, die sich „die Atmosphere" nennt, soll über Erneuerbare reden — weil KI buchstäblich die Luft verschmutzt, die ihren eigenen Namen trägt. Der Titel dieser Seite, „Energy & Atmosphere," übernimmt genau dieses Wortspiel, nicht zufällig.
Am 10. September 2026 postete Richard Ferro (@richferro.com) auf Bluesky, dass er die Domain atproto.solar gekauft habe — und sie an denjenigen verschenken wolle, der bereit ist, einen Personal Data Server (PDS), die Basis-Infrastruktureinheit des AT Protocol, vollständig mit Solar- oder erneuerbarer Energie zu betreiben. Ein kleines Gegengewicht zu den Emissionen, die generative KI in großem Stil verursacht.
Der Thread bekam sofort Substanz:
pds.dad) betreibt bereits heute solarbetriebene AT-Protocol-Infrastruktur während Stromausfällen — sein Vorschlag: Raspberry Pi plus Anker-Solix-Batterie als kleine, reale PDS-Lösung.system.gay) bot an, in Costa Rica zu hosten — das dortige Stromnetz läuft zu 98–100 % auf erneuerbaren Quellen.Ich habe daraufhin atproto.energy registriert — nicht um Ferros Domain zu übernehmen, sondern um die Frage weiterzudenken: Was, wenn offene, dezentrale Protokolle nicht nur eine Antwort auf zentrale Plattformen sind, sondern auch auf zentrale Netze? Der Energiesektor stellt sich diese Frage längst selbst — nur unter anderem Namen.
Aus dem Thread ist eine offene Semble-Sammlung entstanden: „Renewables" — „Running atproto infra powered by renewable energy." Öffentlich einsehbar, offen für Beiträge, kuratiert von tgoerke.bsky.social.
Jede neue solarbetriebene PDS, jedes Redispatch-freundliche Rechenzentrum, jeder tageslicht-geführte Traffic-Router gehört hierher. Die Sammlung wächst mit dem Thread.
Wer noch nie vom AT Protocol gehört hat: Es ist das offene Protokoll hinter Bluesky — aber es ist größer als eine App. Der Kernmechanismus:
Keine Firma erteilt oder entzieht diese Berechtigung — sie liegt im Protokoll selbst.
Die These klingt für ein soziales Netzwerk ungewohnt, für den Energiesektor ist sie Alltag. Ein Blick in aktuelle Stellenausschreibungen von UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen, Meißen) zeigt, wie viele offene Standards dort bereits Pflichtwissen sind:
| Standard / Register | Bereich | Was es öffnet |
|---|---|---|
| VDE-AR-N 4110 / 4120 / 4130 | Netzanschluss Mittel-/Hoch-/Höchstspannung | Herstellerunabhängige Mindestanforderungen für jede Erzeugungsanlage am Netz |
| NELEV | Zertifizierung von Erzeugungsanlagen | Einheitliches Zertifizierungsverfahren statt Einzelfallprüfung je Netzbetreiber |
| DIgSILENT PowerFactory / Cableizer | Netzberechnung | De-facto-Werkzeugstandard, in dem Anlagen unabhängig vom Hersteller modelliert werden |
| IEC 61850 | Schaltanlagen- & Umspannwerkskommunikation | Herstellerübergreifende Kommunikation zwischen Schutz- und Leittechnik |
| IEEE 2030.5 (SEP2) | DER-zu-Netz-Kommunikation | Baut auf IEC 61850 und SunSpec auf, sagt Wechselrichtern, wie sie sich am Netz verhalten |
| SunSpec (Modbus) | Wechselrichter & Speicher | Standardisierte Punktzuordnung, jeder Zähler spricht dieselbe Sprache |
| EEBus / OpenADR / OCPP | Gebäude, Demand Response, Ladeinfrastruktur | Drei Register, ein Prinzip: Geräte verschiedener Hersteller verstehen dasselbe Signal |
| Redispatch 2.0 / 3.0 (VDE SPEC 90032) | Einspeisemanagement | Koordiniert heute Anlagen ab 100 kW, morgen auch Kleinanlagen wie Wärmepumpen und Speicher |
| Marktstammdatenregister (MaStR) | Anlagenregister | Öffentlich einsehbares, offenes Register jeder Energieanlage in Deutschland — die vielleicht direkteste reale Entsprechung eines offenen, abfragbaren Repos |
Jede Zeile dieser Tabelle löst dasselbe Problem, das AT Protocol für soziale Daten löst: unabhängige Akteure, die trotzdem auf einer gemeinsamen, offenen Struktur zusammenarbeiten können — ohne dass eine Partei die Erlaubnis erteilen muss. Das MaStR ist dabei besonders bemerkenswert: ein öffentlich abfragbares, offenes Register jeder Erzeugungsanlage im Land — nicht weit entfernt vom Grundprinzip eines PDS-Repos, nur auf Anlagen statt auf Personen angewendet.
Energienetzwerke basierend auf offenen Protokollen ist also keine Übertragung eines Social-Media-Prinzips auf einen fremden Bereich. Es ist die Beobachtung, dass der Energiesektor dieses Prinzip längst braucht, in Teilen längst hat — und dass die Werkzeuge, mit denen offene Protokolle für Menschen und ihre Daten gebaut werden, genau auf dieselbe Frage antworten, die Redispatch, MaStR und IEEE 2030.5 für Anlagen und Netze beantworten.
atproto.energy ist ein Showcase, kein fertiges Produkt — offen für Gespräche über offene Protokolle, ob in Daten- oder Energienetzen.